Zwischen KI-Boom, Strombedarf und digitaler Souveränität
Der deutsche Rechenzentrumsmarkt im Umbruch
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Rolle. Sie verfügen über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Branche, zuletzt als Vice President und Chief Technology Officer Digital Power bei Huawei. Was bringen Sie zu Portus Data Centers mit?
Ich bringe umfassende Expertise an der Schnittstelle von Technologie, Betrieb und Wirtschaftlichkeit mit. Zudem habe ich bei US-amerikanischen, europäischen und chinesischen Unternehmen gearbeitet und war als Nicht-Chinese auf einer der höchsten Hierarchiestufen bei Huawei in Europa. Das heißt, ich verstehe die technologischen Ökosysteme dieser Märkte, ihre Managementkulturen und ihre Unterschiede. In unserer globalen Welt, in der Technologieanbieter aus verschiedenen Teilen der Welt auf denselben Märkten konkurrieren, ist dieses Verständnis von klarem Vorteil.
In meiner Karriere habe ich mehrfach Unternehmen restrukturiert, aufgebaut und skaliert – und genau hier bringe ich mich bei Portus Data Centers ein.
Warum werden die Funktionen des COO und des CTO zusammengelegt? Welche Synergien entstehen dadurch?
Was sind Ihre konkreten Ziele bei Portus Data Centers und wo setzen Sie an?
Der Rechenzentrumsmarkt hat sich verändert. Welche Entwicklungen prägen ihn am stärksten, und wie positioniert sich Portus dazu?
Der KI-Boom treibt den Bedarf an Rechenleistung enorm in die Höhe. Wie wirkt sich das auf Ihre Infrastrukturplanung und Kapazitätsanforderungen aus?
Die European Data Centre Association nennt in ihrem aktuellen „State of European Data Centres“-Bericht nicht Geld, sondern Strom als größtes Hindernis. 67 Prozent der Befragten sehen Stromzugang als ihre größte Herausforderung. Stimmen Sie zu, und wie löst man dieses Problem?
Voll und ganz. Der enorm gestiegene Energiebedarf – getrieben durch KI, Cloud und die Digitalisierung – trifft auf eine Infrastruktur, die dafür schlicht nicht ausgelegt wurde. Das Problem ist dabei weniger das absolute Stromangebot in Europa als die Verteilung: Leistung entsteht häufig nicht dort, wo Nachfrage ist. Die Übertragung von A nach B ist kostenintensiv, zeitaufwändig und regulatorisch komplex. In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass der Genehmigungsprozess für neue Trassen und Umspannwerke lange dauert.
Lösungsansätze gibt es mehrere: Erstens Kooperationen mit lokalen Energieversorgern. In Deutschland existieren bereits Modelle, bei denen Stadtwerke gemeinsam mit Colocation-Betreibern Stromkapazitäten einbringen. Zweitens On-Site-Erzeugung, etwa durch Batteriespeicher und perspektivisch eigene Energieproduktion, um die Netzabhängigkeit zu verringern. Drittens die Standortwahl: Wir prüfen Standorte konsequent nach verfügbarer Leistung, bevor wir über Grundstücke oder Genehmigungen sprechen. Das schließt manche Stadt aus, eröffnet aber neue Optionen.
Und schließlich die gesellschaftliche Dimension: Rechenzentren gelten oft als Stromfresser, können aber der lokalen Infrastruktur viel zurückgeben, etwa durch Abwärmenutzung für Fernwärmenetze. Ein gut geführtes Rechenzentrum kann so echten Mehrwert für eine Gemeinde schaffen.
Wachsender Energiebedarf auf der einen, Nachhaltigkeitsziele auf der anderen Seite. Wie sichern Sie Kapazitäten, ohne die Umweltbilanz zu belasten?
Mit der Rechenzentrumserweiterung in München verdoppeln Sie die Fläche und vervierfachen die Kapazität. Werden Sie Anfang 2027 fertig sein?
Ja, wir liegen im Plan. Das Gebäude selbst wird noch in diesem Jahr fertiggestellt. Die formelle Übergabe erfolgt Anfang 2027. Das ist das Brownfield-Greenfield-Muster in Reinform: Wir nutzen bestehende Infrastruktur, Netzanschlüsse und Betriebsstrukturen und bauen skalierbar darauf auf. München ist damit eine Showcase für unsere gesamte Expansionsstrategie.
Sie expandieren gleichzeitig in Hamburg und Luxemburg. Ist dies rein kundengetrieben oder gibt es strategische Gründe?
Sie betonen immer wieder die regionale Nähe – warum ist sie für Portus Data Centers so wichtig?
Nicht jedes Unternehmen will oder kann seine kritische Infrastruktur beispielsweise in Frankfurt ballen. Die Kapazitätssituation dort ist ohnehin angespannt. Unsere Standorte München, Hamburg und Luxemburg sind wirtschaftliche Schwergewichte mit eigenen, großen Unternehmenslandschaften. Lokale Präsenz bedeutet kurze Latenzwege, direkte persönliche Kundenbeziehungen und die Möglichkeit, das Rechenzentrum physisch zu besichtigen und die eigene Hardware zu kontrollieren. Für streng regulierte Branchen wie Finanzdienstleister oder das Gesundheitswesen ist das ein Muss.
Dazu kommt die Datensouveränität. In einem deutschen Rechenzentrum, betrieben von einem europäischen Unternehmen, gelten deutsches Recht und die DSGVO ohne Auslegungsspielraum. Das ist ein entscheidendes Kriterium.